Ein Mensch, der überwinden wollte

16.04.2026 | Seliger Max Josef Metzger, zum Gedenktag am 17. April

Ein Jahr nach der Seligsprechung und gut 80 Jahre nach seiner Hinrichtung ist eine Biographie Max Josef Metzgers erschienen. Sie zeigt einen aufrechten Kämpfer gegen Totalitarismus.
 
Christian Heß
Max Josef Metzger, Ein Leben für Frieden und Ökumene
Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 2026
192 Seiten, 18 Euro
Es ist beeindruckend, auf welch vielfältige Weise Max Josef Metzger aktiv war und wie sehr in diesem Engagement seiner Zeit voraus. Seine Interessen waren breit gestreut – und so auch seine Begabungen: Im Laufe seines priesterlichen Lebens war er Lehrer, Prediger, Bibelübersetzer, Organist, Komponist, Schriftsteller, Verleger, Organisator. Christian Heß, Autor der gerade erschienenen Biographie Metzgers, bescheinigt dem im südbadischen Schopfheim – in der katholischen Diaspora – Geborenen schon früh eine „Sehnsucht nach dem Überwinden von engen Horizonten“.
 
Die Horizont sprengende Sache, für die sich Metzger mit aller Kraft – ja, mit seinem Leben – einsetzte, war das „Königtum Christi“. Ein Schlagwort, das zwischen den beiden Weltkriegen aktuell wurde. 1925 wurde nach den politischen und gesellschaftlichen Irrungen, die in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges geführt hatten, das Christkönigsfest eingeführt. Statt weltlichen Herrschern zu folgen, sollte jede Form von Nachfolge fortan nur noch einem König gelten: Christus.

Übereinstimmung von Christlichem und Weltlichem

Metzger hatte 1919 die „Missionsgesellschaft vom Weißen Kreuz“ (mit dem Leitwort „Christus muss König sein“) ins Leben gerufen, diese Gemeinschaft wurde 1927 in „Christköniggesellschaft“ umbenannt. Sie vertrat die ebenso verlockende wie idealistische Idee, gesellschaftliche, politische und kirchliche Probleme ließen sich nur gerecht und nachhaltig lösen, wenn Christus Maßstab allen Tuns wäre, wenn Friede und Liebe Basis allen individuellen wie staatlichen Handelns wären, wenn die Leitlinien des Christlichen mit denen des Weltlichen übereinstimmten. Max Josef Metzger ging es um nichts weniger als eine „Erneuerung des ganzen gesellschaftlichen Lebens in christlichem Geist“.
 
Als Militärgeistlicher war er Zeuge des Gemetzels am Hartmannsweilerkopf geworden, einem der blutigsten Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges. Diese Erfahrung erschütterte Metzger nachhaltig. Fortan folgte er radikal einem anderen Weg – und wurde zu einem der wichtigsten Wegbereiter der katholischen Friedensbewegung. Ebenfalls 1919 war er an der Gründung des „Friedensbundes deutscher Katholiken“ beteiligt, Vorläufer der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi.
 

Ein „Wolkensegler“

Und er engagierte sich bei der Entwicklung des Völkerbundes. Hier ging es ihm darum, „in der Arbeit für den Frieden an der Überwindung der gesellschaftlichen Ursachen des Krieges zu arbeiten“. Somit war auch die soziale Frage gestellt, mitsamt der damit einhergehenden Kapitalismuskritik. Metzger ging gegen soziale Missstände vor: Alkoholismus, Wohnungsnot, Verarmung. Seine Kritik an gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen stieß bei vielen Zeitgenossen auf Ablehnung. Autor Christian Heß verwendet ein ganzes Kapitel dafür, zu zeigen, wie umstritten Metzger war.  Sein Heimatbischof Conrad Gröber in Freiburg etwa verunglimpfte ihn als „Wolkensegler“.
 
Die Kirchenleitung hatte es nicht leicht mit ihm. Metzger hatte nicht nur viele Ideen, er konnte fordernd sein, war – wie viele Selige und Heilige – ein Mann mit Ecken und Kanten. Getrieben vom Willen zu Frieden und Versöhnung und dazu, Grenzen zu überwinden, galt seine zweite Leidenschaft der Ökumene. Mit der Gründung von „una sancta“ 1938/39 war er einmal mehr seiner Zeit voraus – denn gemeint war mit una sancta nicht nur diejenige Kirche, die in Rom ihr Zentrum hat, sondern alle Getauften. Sein Aufruf: „Katholiken, werdet evangelisch! Evangelische, werdet katholisch!“ stieß bei keinem geringeren als Papst Pius XI. auf wenig Gegenliebe, lehnte dieser die ökumenische Bewegung doch ab oder verstand sie ausschließlich als Rückkehr Abtrünniger zur römisch-katholischen Kirche.

Verrat und Hinrichtung

Sein konsequentes Eintreten für das, was er die „Erneuerung des ganzen gesellschaftlichen Lebens in christlichem Geist“ genannt hatte, kostete Max Josef Metzger schließlich im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf: Wenige Monate nachdem Goebbels im Berliner Sportpalast den „totalen Krieg“ ausgerufen hatte, verfasste Metzger eine Schrift, in der er die Vision eines demokratischen Deutschlands in einem geeinten Europa für die Zeit nach dem Krieg entwarf. Ein Mitglied der Christköniggesellschaft verriet ihn und gab seine Schrift an die Gestapo weiter. Am 17. April 1944 wurde er in der Haftanstalt Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil hingerichtet.
 
In Christian Heß‘ 190 Seiten starkem Buch tritt einem die Gestalt Metzger in seinem Umfeld, seiner Zeit deutlich entgegen. Die Lektüre lohnt; sich mit ihm auseinanderzusetzen, ist ein Gewinn. Was das Buch nicht hergibt, ist eine differenzierte Analyse darüber, wie tragfähig Metzgers Positionen heute sind – sowohl bezogen auf die Frage nach Krieg und Frieden (angesichts eines russischen Angriffskrieges auf die Ukraine) als auch auf die nach einem politischen Verständnis der Bergpredigt und auch bezogen auf die nach der Ökumene (angesichts eines kaum veränderbaren Kirchen-, Amts- und Sakramentsverständnisses). Denn 1:1 lassen sie sich sicherlich nicht übertragen. Max Josef Metzger bleibt jedoch ein Vorbild als charakterfester Kämpfer für das Reich Christi und wider jeglichen Totalitarismus.
 
Max Josef Metzger
5. Juli 1911: in St. Peter im Schwarzwald zum Priester geweiht
1914-15: Militärgeistlicher im Ersten Weltkrieg
17. April 1944: in der Haftanstalt Brandenburg-Görden hingerichtet
17. November 2024: selig gesprochen in der Erzdiözese Freiburg
 
Weitere Informationen zum seligen Max Josef Metzger finden Sie unter www.ebfr.de/mjm 
 
Die Gemeinde St. Bernhard in Schopfheim, dem Geburtsort Max Josef Metzgers, lädt am Freitag, den 17.04.2026 um 18:30 Uhr zu einer Gedenkfeier für den Seligen ein. Treffpunkt ist am Gedenkstein gegenüber der Kirche.
 
Für die Feier von Gedenkgottesdiensten anlässlich des Todestages von Max Josef Metzger gibt es im Direktorium liturgische Texte, die hier direkt heruntergeladen werden können.
 
(asc)