Zum 01. Januar 2026 entsteht aus den 13 Seelsorgeeinheiten des Dekanats Bruchsal die neue Großpfarrei Edith Stein, der rund 100.000 Katholiken angehören werden. Die heutigen Seelsorgeeinheiten werden Teil der neuen Pfarrei. Der Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit der Seelsorgeeinheit Forst-Ubstadt-Weiher hatte die Gelegenheit mit Herrn Pfarrer Frank Prestel, dem künftigen stellvertretenden Leiter der Pfarrei Edith Stein, ins Gespräch zu kommen. Die Fragen hat Timo Schroff gestellt.
„Die Gemeindeteams haben in den einzelnen Gemeinden eine Schlüsselfunktion.“ Interview mit Pfarrer Frank Prestel, derzeit Pfarrer der Seelsorgeeinheit Bad Schönborn-Kronau, ab 01. Januar 2026 stellvertretender Leiter der neuen Pfarrei Edith Stein Bruchsal.
Herr Pfarrer Prestel, Sie sind künftig stellvertretender Leiter der Pfarrei Edith Stein Bruchsal. Wir möchten mit einer persönlichen Frage dieses Interview beginnen: Was waren Ihre Beweggründe sich für dieses verantwortungsvolle Amt zu bewerben und welche Visionen verbinden Sie damit?
Ich beginne mit den Beweggründen: Ich wurde von mehreren Seiten gefragt, ob ich mich nicht bewerben möchte und habe das dann „mit mir umgehen lassen“. Dabei war ich mit unterschiedlichen Personen im Gespräch. So bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mich bewerbe. Ich sehe die Aufgabe als Dienst am Ganzen.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Visionen sind für mich ein sehr großes Wort. Daher möchte ich das kleiner formulieren. Mit der Kirchenentwicklung 2030 ist ein großer Prozess angestoßen, der sich über mehrere Jahre hinweg erstrecken wird. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, das hilfreich zu begleiten und fortzuführen. Dafür braucht es viele Gespräche an unterschiedlichsten Stellen. Das wird sicher einer der Schwerpunkte meiner Tätigkeit sein.
Welche Berührungspunkte gibt es schon heute für Sie im Zusammenhang mit Ihrer künftigen Aufgabe?
Zur Vorbereitung auf meine neue Aufgabe habe ich an einem Kurs zum Thema „Führen und Leiten“ teilgenommen. An diesem nehmen alle künftigen neuen leitenden Pfarrer und die Stellvertreter teil. Darüber hinaus treffen wir uns regelmäßig in unserem sog. Kernteam. Dieses setzt sich aus dem künftigen Leiter der Pfarrei Dr. Johannes Mette, dem leitenden Referenten Thomas Macherauch, dem Pfarreiökonom Thomas Barth und mir als stellvertretendem leitenden Pfarrer zusammen. Wir hören die Themen aus den Gruppierungen und Arbeitsgruppen und denken weiter.
Des Weiteren bin ich verantwortlich für die Arbeitsgruppe Liturgie. Meine Aufgabe wird es dabei sein, fünf Kompetenzgruppen Liturgie ins Leben zu rufen. Diese kümmern sich dann zum Beispiel darum, wie in den fünf Beziehungsräumen der neuen Pfarrei eine Gottesdienstordnung aussehen könnte.
Die Vision in der Gründungsvereinbarung der Pfarrei Edith Stein lautet: „Wir leben den Glauben. Wir teilen Hoffnung.“ Welche praktischen Zielsetzungen lassen sich daraus ableiten und welche Maßnahmen werden dazu entwickelt?
Bei der Vision geht es darum, wie die Menschen (!) ihren Glauben leben können, wie sie ihn miteinander teilen und wie man immer wieder auch in Beziehung zu Gott kommt.
Die große strukturelle Veränderung der KE 2030 ist hingegen vorrangig ein organisatorischer Prozess. Andererseits geht es auch darum Räume und Möglichkeiten zu schaffen, damit Menschen sich begegnen und über Glauben, Hoffnung und die Beziehung zu Gott ins Gespräch kommen können. Wir haben insgesamt knapp 20 Arbeitsgruppen, die sich damit beschäftigen, wie wir in der neuen Struktur die Pastoral so organisieren, dass genau dies möglich wird. Hier folgen im nächsten Schritt Konkretisierungen. Aus den Arbeitsgruppen entstehen künftig Kompetenzteams, die Vorschläge für die konkrete Umsetzung ausarbeiten. Ich bin mir bewusst, dass dies zunächst vorläufige Antworten sind.
Was bedeuten die anstehenden Veränderungen für die einzelnen Orte einer Seelsorgeeinheit und ihre Gläubigen und welche Rolle spielen dabei die Gemeindeteams der einzelnen Gemeinden?
Erstens muss man sehen, dass die Veränderungen nach und nach stattfinden. Es ist eine dynamische Entwicklung, in der im Jahr 2026 nicht „der Hebel umgelegt“ wird. Neuerungen erfolgen Schritt für Schritt, so dass es gelingt die Menschen in den Prozess mitzunehmen.
Zweitens ist es wichtig, auf unterschiedenen Ebenen zu denken – oder anders gesagt, die zwei Brennpunkte einer Ellipse in den Blick zu nehmen. Ein Brennpunkt dabei ist zu schauen, was vor Ort geschehen kann, verbunden mit der Frage wie Glaube vor Ort lebendig bleibt. Gleichzeitig geht es um die Mitnahme der nächsten (größeren) Ebene, also z.B. des Beziehungsraums oder der gesamten neuen Pfarrei. Wir müssen lernen, in diesem Spannungsverhältnis zu denken und zu leben.
Die Gemeindeteams werden dabei künftig nochmals deutlich mehr an Verantwortung erhalten. Dies ist von der Erzdiözese auch so gewollt. Wichtig ist die Nähe zu den Menschen, das Setzen von Impulsen. Zu erkennen, was es dafür vor Ort braucht und was angeboten werden kann. Die Gemeindeteams haben dabei eine Schlüsselfunktion.
Wie bereits erwähnt müssen wir lernen, in verschiedenen Ebenen zu denken. Es wird vor Ort nicht mehr alles so angeboten werden können, wie es früher einmal war. Auch die Gesellschaft wird sich weiter verändern. So bedarf es der Flexibilität hinsichtlich des pastoralen Angebots. Daher ist es sinnvoll zu prüfen, was man mit anderen gemeinsam tun kann, wo es Synergieeffekte gibt und wo es sich lohnt, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen.
Am Beispiel Gemeindeteams sieht man die Bedeutung des Ehrenamts. Das Ehrenamt hat mit der Kirchenentwicklung 2030 eine noch größere Bedeutung als bisher. Welche Maßnahmen muss es geben, um das ehrenamtliche Engagement zu stärken? Und welche Kompetenzen, aber auch Pflichten gehen damit einher?
Wie bisher ist es eine große Aufgabe zu schauen, welche Begabungen und Talente Menschen mitbringen oder wie diese geweckt und gefördert werden können. Immer geht es darum zu fragen, wer noch Lust hat, mitzumachen. Das heißt, dass es für Ehrenamtliche trotz Vorgaben Gestaltungsfreiräume geben muss, um sich entfalten zu können. Basis dafür ist ein großes Vertrauen: „Machen lassen“ – „ausprobieren“. Wichtig ist aber auch die deutliche Wertschätzung in das ehrenamtliche Engagement, da dies heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Zu Kompetenzen und Pflichten im Ehrenamt: Es braucht zunächst ein hohes Maß an Kommunikationsbereitschaft und ein Netzwerken, um unterschiedliche Leute zusammenzubringen. Ich denke, dass es ein breites Schulungsangebot geben wird, um Kompetenzen zu stärken. Die Aufgabe von uns Hauptamtlichen wird es sein, das Ehrenamt zu stärken.
Wie werden Gottesdienste in einer so großen Pfarrei geplant und wie werden hier die verschiedenen Pfarrer eingesetzt? Welche Bedeutung werden Wortgottesdienste in Zukunft haben?
Wir sind in der komfortablen Lage, dass die bisherigen Pfarrstellen erst einmal so weiter besetzt sind. Das verschafft uns die Zeit die nächste Entwicklungsstufe vorzubereiten. In den schon erwähnten fünf Beziehungsräumen sollen fünf Kompetenzteams ‚Liturgie‘ eingerichtet werden. Die Idee ist, eine künftige liturgische Ordnung pro Beziehungsraum zu organisieren. Es ist schwierig eine Gottesdienstplanung über die gesamte große Pfarrei hinweg zu denken, weil es zu unübersichtlich wird und auch weil es ein großes Spektrum unterschiedlicher Traditionen gibt. Die Mitwirkenden aus den heutigen organisatorisch gut funktionierenden Seelsorgeeinheiten sollen sich einbringen, um dann in dem jeweiligen Kompetenzteam je Beziehungsraum ihr Wissen zur Verfügung stellen zu können.
Es ist so gedacht, dass bei Verlassen eines Pfarrers des jeweiligen Beziehungsraums in jeder heutigen Seelsorgeeinheit eine Eucharistiefeier wegfällt und sich die Pfarrer dann für die Sonntagsgottesdienste auf die einzelnen Gemeinden aufteilen. Die Schwerpunkte werden dann im Kompetenzteam festgelegt. Dort, wo am Samstag/Sonntag keine Eucharistiefeiern stattfinden können, sollen Wort-Gottes-Feiern angeboten werden. Dies hat jetzt schon zur Konsequenz nach Personen Ausschau zu halten, die bereit sind Wortgottesdienste zu leiten und sich dafür weiterbilden.
Vielen Dank, Herr Pfarrer Prestel, für dieses Gespräch und Gottes Segen für Ihr Wirken in der neuen Großpfarrei.